NLE vor Ort

NLE vor Ort – Informationsbesuche der Neuen Liste Ebermannstadt

 

Klinik Fränkische Schweiz – Zukunft durch Wandel

Ende Juli trafen sich NLE-Vertreter mit dem Chefarzt der Kardiologie Dr. Samir Murad und Geschäftsführer Uwe Möller-Ühlken zu einem Informationsgespräch über die Entwicklungsmöglichkeiten der Klinik Fränkische Schweiz. Als Fachklinik für Innere Medizin und geriatrische Rehabilitation ist sie seit vielen Jahren ein wichtiger Faktor der medizinischen Versorgung im Landkreis. Seit April 2017 ist sie außerdem auch psychosomatische Klinik.

Warum kümmert sich die NLE um die Klinikfrage?

Zwar ist der Landkreis Forchheim Träger der Klinik. Insofern hat die Stadt Ebermannstadt kein Mitspracherecht bei der Entwicklung und beim Betrieb der Abteilungen. Aber es ist klar, dass die Klinik ein wichtiger Faktor für Ebermannstadt als Mittelzentrum ist. Sie ist zugleich der bedeutendste Arbeitgeber der Stadt. Und sie ist vor allem eine unverzichtbare Anlaufstation in medizinischen Notfällen. Grund genug für NLE-Stadtrat Bernhard Hübschmann, das Gespräch zu vermitteln. Er setzt sich seit geraumer Zeit für eine wohnortnahe und leistungsfähige medizinische Versorgung in der Klinik Fränkische Schweiz ein.

Wieso gibt es eigentlich Fusionspläne?

Hintergrund sind die Veränderungen im Krankenhausfinanzierungsgesetz, mit denen die steigenden Kosten im Gesundheitswesen aufgefangen werden sollen. Für kleine Kliniken wird es immer schwieriger, die wachsenden Anforderungen an Ausstattung, Personal und Fallzahlen zu erfüllen.

Keine der beiden Kliniken im Landkreis ist für sich allein diesen Herausforderungen gewachsen.  Selbst nach einer Fusion würde ein verhältnismäßig kleines Krankenhaus entstehen. Eine Privatisierung will man jedoch auf jeden Fall vermeiden.

Warum ziehen sich die Verhandlungen schon so lange hin?

Während das Klinikum Forchheim in den letzten Jahren stets schwarze Zahlen vorlegte, braucht die Klinik Fränkische Schweiz immer wieder Zuschüsse von ihrem Träger, dem Landkreis Forchheim. Der Grund dafür liegt vor allem in der Belastung durch einen Immobilienkredit. Die Forchheimer Vereinigten Pfründnerstiftungen wollen aber auf jeden Fall vermeiden, dass sie für die Schulden des Landkreises in die Pflicht genommen werden.

Was sieht das aktuelle Fusionsmodell vor? – Wo hakt es noch?

  • Nur die Ausstattung der beiden Häuser wird in eine gemeinsame Gesellschaft eingebracht. Die Schuldenlast für Ebermannstadt bleibt beim Landkreis.

  • Die laufenden Kosten werden von einer neuen Gesellschaft getragen, die von beiden Trägern finanziert wird.

Gefunden werden muss noch ein Schlüssel, nach dem ein künftiger Verwaltungsrat besetzt werden soll. Keine der beiden Seiten soll sich über den Tisch gezogen fühlen. Und natürlich müssen jede Menge Details ausgehandelt werden.

Welche Rolle spielt die Ebermannstädter Kardiologie?

  • Die Belegungsquote am Klinikum Forchheim liegt mit 70 % deutlich unter Landesdurchschnitt bei vergleichbaren Häusern (rd. 85 %).

  • Für eine medizinische Rundumversorgung fehlt dem Klinikum Forchheim eine kardiologische Abteilung, in der z.B. Herzinfarkte behandelt werden. Das würde Forchheim für viele Patienten attraktiv machen, die bislang gleich die großen Kliniken in Erlangen oder Bamberg aufsuchen.

  • Bislang werden Herzpatienten in Forchheim vorwiegend nach Erlangen (nicht nach Ebermannstadt!) überwiesen. Forchheim ist – im Verbund mit Erlangen – Ausbildungskrankenhaus für Pfleger/innen.

  • Eine Kardiologie gibt es in Ebermannstadt, aber gemessen an den künftigen Anforderungen könnte die Zahl der dort behandelten Fälle zu gering werden, um kostendeckend zu arbeiten. Vor allem aber wird die Klinik in Zukunft wahrscheinlich weder für Herzspezialisten noch für Ärzte, die sich als Kardiologen qualifizieren wollen, attraktiv genug sein.

Welche Lösung wird vorgeschlagen?

  • Ebermannstadt soll zwar Fachklinik für Innere Medizin bleiben. Die kardiologische soll aber nach Forchheim verlegt werden. Dort wird es voraussichtlich genügend Behandlungsfälle geben. Dadurch werden zwei wichtige Voraussetzungen erfüllt: Es wird auch in Zukunft genügend qualifiziertes medizinisches Personal vor Ort sein. Und die immer teurer werdenden Geräte sind ausgelastet und rentieren sich dadurch.

  • Die Klinik Fränkische Schweiz behält ihre Funktion als Notfallversorger im Bereich Innere Medizin. Die geriatrische Rehabilitation bleibt im vollen Umfang erhalten und bekommt Patienten aus Forchheim zugwiesen, insbesondere aus der Chirurgie. Zusätzlich hat die psychosomatische Klinik eine Option auf einen weiteren Ausbau.

Win-win-Situation?

Profitieren sollen beide Häuser. Die Arbeitsplätze in Ebermannstadt und Forchheim bleiben erhalten. Die wohnortnahe medizinische Versorgung ist weiter in großem Umfang gewährleistet. Das spezifische Angebot wird abgerundet bzw. sogar ausgebaut. Beide Kliniken können ökonomisch sinnvoll arbeiten. Ihr Bestand dürfte auf Jahre hinaus gesichert sein. Die Lastenverteilung zwischen der Stadt Forchheim bzw. der Vereinigten Pfründnerstiftung und dem Landkreis Forchheim wird auf faire Weise geregelt.

Schnell genug im Notfall?

Was viele Bürgerinnen und Bürger bewegt: Sind Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatienten im Ernstfall schnell genug im Krankenhaus? Bekanntlich kommt es ja darauf an, möglichst umgehend mit der Behandlung zu beginnen, um bestmögliche Heilungserfolge zu erzielen bzw. um überhaupt Leben zu retten.

Dazu macht Chefarzt Dr. Murad eine sehr klare Aussage: Die wesentlichen Sofortmaßnahmen erfolgen in der modernen Notfallmedizin bereits im Rettungswagen. Der Zeitverlust von ca. 10-15 Minuten, der durch die Weiterfahrt nach Forchheim entsteht, spielt dann nicht mehr die entscheidende Rolle. Voraussetzung ist, dass der Notarzt und der Rettungswagen schnell vor Ort sind, dass also das Notarztsystem auch wirklich funktioniert. Diese Forderung gilt allerdings unabhängig vom Fortgang der Fusionsverhandlungen.

Warum nicht mit Bamberg zusammengehen?

Eine Zusammenarbeit mit dem Klinikum Bamberg wird vom Landkreis derzeit nicht ins Auge gefasst. Könnte darin nicht trotzdem eine Möglichkeit bestehen, die Kardiologie für Ebermannstadt zu erhalten? Könnten nicht Herzspezialisten aus Bamberg von Fall zu Fall in Ebermannstadt Dienst tun?

Die Leitung der Klinik Fränkische Schweiz sieht hier keine Möglichkeit, weil kein Modell vorstellbar sei, nach dem solche Abordnungen funktionieren würden. Die zu geringe Zahl an Fällen würde auch hier keine finanzierbare medizinische Personalausstattung ermöglichen.

Patientenzufriedenheit als entscheidender Faktor

Ob Forchheim oder Ebermannstadt, von größter Wichtigkeit ist, dass Patientinnen und Patienten über ihren Krankenhausaufenthalt Positives berichten können. Sie sollen nicht nur mit der medizinischen Behandlung zufrieden sein, sondern auch mit der Betreuung durch die Mitarbeiter in der Pflege und im Service. Sie erwarten einen freundlichen, zuvorkommenden und aufbauenden Umgang, gutes Essen, Räume und Einrichtungen, die den Gesundungsprozess fördern. Einer solchen Erwartungshaltung zu genügen, ist auf keinen Fall einfach. Es setzt kontinuierliche Fortbildung aber auch finanzielle Investitionen voraus. Auch hier kann eine neue gemeinsame Trägergesellschaft Positives leisten. Der menschliche Faktor allerdings, das muss man betonen, ist durch nichts zu ersetzen. Das Engagement der Menschen, die im Krankenhaus für die Patientinnen und Patienten arbeiten, ist wohl das größte und wichtigste Kapital, das beide Kliniken einbringen können.

 

 

Neue Liste Ebermannstadt

Christiane Meyer, 1. Vorsitzende
Debert 7b, 91320 Ebermannstadt